Die mechanischen Anfänge
Automatisierung ist älter als der Computer. Sie beginnt nicht mit Software, sondern mit Lochkarten und Zahnrädern.
Der Jacquard-Webstuhl (1804)
Joseph-Marie Jacquard baute einen Webstuhl, der komplexe Muster automatisch webte - gesteuert durch eine Kette aus Lochkarten. Wo ein Loch war, hob sich ein Faden. Damit war die Idee geboren, die die gesamte Informatik prägen sollte: ein austauschbares Programm steuert eine Maschine.
- Das Muster steckte in den Karten, nicht in der Mechanik
- Neues Muster = neue Karten, nicht neuer Webstuhl
- Charles Babbage übernahm die Lochkarten-Idee für seine Analytical Engine
Die Batch-Ära der Großrechner
150 Jahre später, in den 1960ern, automatisierten Unternehmen ihre Buchhaltung auf Mainframes. Aufgaben wurden als Stapel (Batch) über Nacht abgearbeitet, gesteuert durch die Job Control Language (JCL). Der Mensch reichte morgens einen Kartenstapel ein und holte am nächsten Tag das Ergebnis ab.
Fun Fact: Weberei-Arbeiter fürchteten Jacquards Maschine so sehr, dass sie sie sabotierten. Das Wort "Sabotage" soll von den Holzschuhen ("sabots") stammen, die man angeblich ins Getriebe warf.
Jacquard-Webstuhl: das erste "Programm"
Karte 1: ● ○ ● ● ○ ○ ● ○ → Fäden 1,3,4,7 heben
Karte 2: ○ ● ● ○ ● ● ○ ● → Fäden 2,3,5,6,8 heben
Karte 3: ● ● ○ ○ ● ○ ● ● → ...
● = Loch → Faden hebt sich
○ = kein Loch → Faden bleibt
Das Muster steckt in den Karten.
Neues Design? Neue Karten - fertig.
1804: Muster weben.
1960: Gehaltsabrechnungen als Batch.
Dasselbe Prinzip: Programm steuert Maschine.