Vibe Coding - Der experimentelle Einstieg in die KI-Entwicklung
Vibe Coding beschreibt den experimentellen, intuitiven Ansatz der KI-gestützten Softwareentwicklung, geprägt von Andrej Karpathy 2025. Ideal für Prototypen.
Vibe Coding ist ein Begriff, den Andrej Karpathy (OpenAI-Mitgründer, Ex-Tesla-KI-Chef) am 3. Februar 2025 prägte. Er beschreibt den experimentellen, ad-hoc Ansatz der KI-gestützten Softwareentwicklung - man entwickelt nach Gefühl und Intuition, ohne strikte Regeln oder formale Prozesse. Der Name leitet sich von "coding by vibe" ab: Man beschreibt der KI, was man möchte, und sie generiert den Code.
In Deutschland zeigte sich großes Interesse an dem Begriff. Das zeigt das wachsende Interesse an KI-gestützter Entwicklung im DACH-Raum.
Vibe Coding hat seinen Platz als Einstieg und für schnelle Prototypen. Für professionelle, produktive Entwicklung führt der Weg jedoch weiter: über Agentic Coding zum Agentic Engineering. Karpathy selbst vollzog diesen Übergang, als er im Februar 2026 den Nachfolgebegriff "Agentic Engineering" einführte.
Charakteristika von Vibe Coding
1. Ad-hoc Prompts
Prompts entstehen spontan, ohne vorherige Planung:
- "Mach mir mal eine Login-Seite"
- "Das funktioniert nicht, fix das"
- "Füge noch einen Button hinzu"
- Keine strukturierte Beschreibung der Anforderungen
2. Kein persistenter Kontext
- Keine CLAUDE.md oder .cursorrules Datei
- Coding-Konventionen werden nicht dokumentiert
- Jede Session startet bei Null
- KI verhält sich bei jedem Prompt anders
3. Trial-and-Error Workflow
- Code generieren → ausprobieren → wenn es nicht funktioniert, nochmal versuchen
- Kein systematisches Testing
- Bugs werden ad-hoc gefixt statt strukturiert debuggt
- Keine Build-Checks vor Commits
4. Inkonsistenter Code-Style
- Mal TypeScript, mal JavaScript
- Unterschiedliche Naming-Konventionen
- Verschiedene Architektur-Patterns im gleichen Projekt
- Kein einheitlicher Error-Handling-Ansatz
5. Keine Dokumentation
- Entscheidungen werden nicht festgehalten
- Kein "Warum" für Architektur-Wahl
- Lessons Learned gehen verloren
- Nächster Entwickler muss alles neu herausfinden
Vibe Coding vs. Agentic Coding
| Aspekt | Vibe Coding | Agentic Coding |
|---|---|---|
| Struktur | Keine | CLAUDE.md, Context Engineering |
| Konsistenz | Variabel | Einheitlich |
| Dokumentation | Kaum vorhanden | Memory Files, Session Handover |
| Testing | Ad-hoc | Systematisch nach jeder Änderung |
| Geeignet für | Prototypen, Lernen, Experimente | Production Code, Team-Arbeit |
| Langfristige Wartbarkeit | Schwierig | Gut |
Wann ist Vibe Coding okay?
1. Lernen und Experimentieren
Wenn Sie KI-Assistenten kennenlernen:
- "Wie funktioniert React Hook X?"
- "Zeig mir ein Beispiel für TypeScript Generics"
- "Was macht dieser Code?"
- Kein Stress, kein Production-Druck
2. Schnelle Prototypen
Wegwerf-Code für Proof-of-Concepts:
- "Ich will nur schnell sehen, ob die Idee funktioniert"
- Code wird nach dem Test gelöscht
- Keine Wartung nötig
3. Einmalige Scripts
Helper-Scripts die nur einmal laufen:
- Daten-Migration die nur einmal durchgeführt wird
- Einmaliger Report oder Analyse
- Quick-and-dirty Automation
4. Persönliche Projekte
Solo-Projekte ohne Team:
- Hobby-Projekt, nur für Sie selbst
- Keine Anforderungen an Wartbarkeit
- Sie sind der einzige "User"
Wann brauchen Sie Agentic Coding?
⚠️ Umstieg auf Agentic Coding wenn...
- Team-Arbeit: Mehrere Entwickler arbeiten am Code
- Production Code: Code läuft bei echten Nutzern
- Langfristiges Projekt: Code muss über Monate/Jahre gewartet werden
- Kritische Systeme: Bugs haben ernste Konsequenzen
- Skalierung: Das Projekt wächst über ein paar Dateien hinaus
Der Übergang: Von Vibe zu Agentic
Phase 1: CLAUDE.md erstellen
- Erstelle eine
CLAUDE.mdim Projekt-Root - Dokumentiere:
- Tech-Stack (z.B. "Vue 3 + TypeScript")
- Wichtigste Code-Konventionen
- Deployment-Workflow
- Starte mit 10-20 Regeln, nicht mehr
Phase 2: Testing einführen
- Build-Check nach jeder Änderung:
npm run build - Type-Check:
npx tsc --noEmit - Linting:
npm run lint
Phase 3: Memory Files anlegen
- Erstelle
MEMORY.mdoderdokumentation/Ordner - Dokumentiere wichtige Entscheidungen
- Halte Known Issues fest
Phase 4: Session Handover etablieren
- Bei niedrigem Context: Session-Zusammenfassung schreiben
- Offene TODOs dokumentieren
- Nächste Session kann nahtlos weitermachen
Typische Probleme bei reinem Vibe Coding
1. "Es hat gestern funktioniert..."
Ohne Tests und Versionierung ist unklar:
- Was wurde geändert?
- Warum funktioniert es nicht mehr?
- Wie komme ich zurück zu einer funktionierenden Version?
Lösung: Git-Integration, Build-Checks, Tests
2. "Die KI schlägt jedes Mal was anderes vor"
Ohne Context Engineering ist die KI inkonsistent:
- Mal TypeScript, mal JavaScript
- Mal async/await, mal Promises
- Unterschiedliche Error-Handling-Patterns
Lösung: CLAUDE.md mit klaren Regeln
3. "Ich weiß nicht mehr, warum wir das so gemacht haben"
Ohne Dokumentation geht Wissen verloren:
- Architektur-Entscheidungen nicht nachvollziehbar
- Workarounds ohne Erklärung
- Bei Team-Wechsel: Alles neu lernen
Lösung: Memory Files für wichtige Entscheidungen
4. "Das Build ist kaputt, aber ich weiß nicht seit wann"
Ohne Build-Checks häufen sich Fehler:
- Build bricht bei Deployment
- TypeScript-Fehler häufen sich
- Debugging wird aufwändig
Lösung: Build-Check nach jeder Änderung
Vibe Coding: Eine Lernphase
Vibe Coding ist oft der erste Kontakt mit KI-gestützter Entwicklung. Das ist völlig normal und sogar empfehlenswert zum Einstieg:
- Sie lernen, wie die KI "denkt"
- Sie entwickeln ein Gefühl für gute Prompts
- Sie entdecken, was alles möglich ist
- Sie machen Fehler in einer sicheren Umgebung
Aber sobald es ernst wird - sobald Code in Production geht oder ein Team zusammenarbeitet - ist der Übergang zu Agentic Coding wichtig.
Die Evolution: Von Vibe Coding zu Agentic Engineering
Bezeichnend ist, dass Karpathy selbst den Übergang vom eigenen Begriff vollzog: Genau ein Jahr nach "Vibe Coding" führte er im Februar 2026 den Begriff Agentic Engineering ein - weil "Vibe Coding" den professionellen Anspruch moderner KI-Entwicklung nicht mehr abbildete.
Die Entwicklung verläuft in drei klaren Stufen:
- Vibe Coding (Feb 2025): Experimenteller Einstieg - Code generieren nach Gefühl
- Agentic Coding (Mitte 2025): Professionelle Praxis - strukturierter Kontext, Testing, Dokumentation
- Agentic Engineering (Feb 2026): Enterprise-Disziplin - Multi-Agent-Orchestrierung, Quality Gates, Architektur-Fokus
Dieser Übergang ist keine theoretische Zukunftsmusik: Branchenanalysten beobachten starkes Wachstum bei Multi-Agent-Systemen, und es wird erwartet, dass KI-Agenten in Enterprise-Anwendungen zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Fazit: Vibe Coding als notwendiger erster Schritt
Vibe Coding ist kein "schlechter" Ansatz - es ist der natürliche Einstieg in eine neue Ära der Softwareentwicklung. Für Experimente, Lernen und schnelle Prototypen bleibt es relevant. Aber für professionelle Entwicklung führt der Weg unweigerlich weiter: über Agentic Coding zum Agentic Engineering.
Bei elasticbrains haben wir diesen Übergang mit über 2.000 Personentagen Praxiserfahrung vollzogen. In unserem Agentic Coding Workshop begleiten wir Teams auf diesem Weg - vom ersten Kontakt mit KI-Assistenten bis zur professionellen Agentic-Engineering-Praxis.
Weiterführende Ressourcen
- Glossar: Agentic Coding - der professionelle Ansatz
- Glossar: Agentic Engineering - die Enterprise-Disziplin
- Glossar: Multi-Agent System - koordinierte KI-Agenten
- Glossar: Context Engineering - Kontext-Management für Agenten
- Workshop: Agentic Coding Workshop
- Service: KI-Entwicklung
Agentic Coding Workshop
Lernen Sie dieses Thema praxisnah in unserem Workshop - mit echten Projekten und erfahrenen Trainern.
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